Der Start in die Selbstständigkeit als Freelancerin kann sich anfühlen, als wärst du zu spät dran und alle anderen hätten die Regeln längst verstanden. In Wahrheit beginnen die meisten Freelancerinnen genau dort, wo du jetzt stehst: ohne Kunden, ohne Portfolio und mit vielen offenen Fragen. Was wirklich den Unterschied macht, ist ein klarer Plan, der dir sagt, was du heute tun sollst – nicht „irgendwann“. Dieser 30-Tage-Kalender ist für Frauen gedacht, die 2026 realistisch, praktisch und ohne leere Versprechen starten möchten – mit kleinen täglichen Schritten, die Fähigkeiten, Selbstvertrauen und die ersten bezahlten Aufträge aufbauen.
Tag 1: Wähle eine einsteigerfreundliche Dienstleistung, die du schnell lernen kannst. Gute Optionen im Jahr 2026 sind: einfaches Copywriting (Produktbeschreibungen, kurze Artikel), virtuelle Assistenz (E-Mail-Organisation, Terminplanung), Social-Posts im Canva-Stil (ohne dich als Designerin zu bezeichnen), einfache Dateneingabe oder Chat-Support. Entscheide dich nur für eine Dienstleistung. Formuliere dann einen Fokus in einem Satz, zum Beispiel: „Ich helfe kleinen Unternehmen dabei, klare Produkttexte und kurze Blogbeiträge zu schreiben.“
Tag 2: Lege fest, welche Art von Kunden du ansprechen willst. Vermeide „alle“. Wähle eine Zielgruppe: lokale Unternehmen, Etsy-Verkäufer, Coaches, kleine Online-Shops, Handwerksbetriebe oder Content Creator. Schreibe dir danach 20 konkrete Beispiele dieser Kundengruppe auf, die du online findest. Das wird später deine Outreach-Liste.
Tag 3: Erstelle eine einfache, professionelle Basis. Du brauchst: eine seriöse E-Mail-Adresse, einen klaren Namen, eine kurze Bio. Halte die Bio pragmatisch: was du machst + für wen + welches Ergebnis du unterstützt. Beispiel: „Angehende Copywriterin, die kleinen Shops hilft, Produkttexte und Website-Inhalte klarer zu machen.“ Nicht übertreiben – Klarheit wirkt vertrauenswürdiger als ein Fake-Lebenslauf.
Tag 4 – Modell 1: Ein bestehendes Beispiel verbessern. Suche dir eine echte Website mit schwachen Texten (kleiner Shop, Dienstleistungsseite, Produktlisting). Überarbeite einen Abschnitt: einen Homepage-Introtext, einen Service-Block oder eine Produktbeschreibung. Speichere „Vorher/Nachher“-Screenshots und deinen finalen Text in einem Google Doc. Das ist ein Nachweis deiner Fähigkeit, ohne zu behaupten, du hättest für dieses Unternehmen gearbeitet.
Tag 5 – Modell 2: Ein Sample-Paket erstellen. Baue ein Mini-Portfolio: 3 Produktbeschreibungen, 3 Social Captions und 1 kurzer Blog-Intro (300–500 Wörter). Nutze eine fiktive Marke, die du selbst erfindest (z. B. handgemachte Kerzen, Hundesalon, Yoga-Studio). Formatiere alles sauber in einem PDF oder Google Doc.
Tag 6–7 – Modell 3: Eine kostenlose Mikro-Aufgabe anbieten. Frage eine Freundin, eine Nachbarin oder eine kleine Unternehmerin: „Ich baue gerade mein Portfolio auf. Darf ich kostenlos einen Abschnitt deiner Website überarbeiten oder 3 Captions schreiben?“ Halte es klein. Du arbeitest nicht „für Sichtbarkeit“, sondern sammelst ein echtes Beispiel und ein kurzes Testimonial. Bitte am Ende um eine kurze Feedback-Zeile, die du zitieren darfst.
Tag 8: Forme deine Fähigkeit in 2–3 klare Angebote. Viele Anfängerinnen scheitern, weil sie etwas zu Vages verkaufen. Statt „Services“ zu nennen, schnüre Pakete. Beispiel Copywriting: (1) 5 Produktbeschreibungen, (2) Überarbeitung eines Homepage-Intros + Service-Bereich, (3) 10 Social Captions. Beispiel virtuelle Assistenz: (1) Inbox-Aufräumen, (2) Termin-Setup, (3) Recherche + Tabellenorganisation.
Tag 9: Lege realistische Einsteigerpreise fest. 2026 ist es für Anfängerinnen oft leichter, Fixpreise statt Stundensätze zu nutzen. Wähle Preise, die dich nicht einschüchtern, aber auch nicht deine Zeit entwerten. Zum Beispiel: 25–60 £ für kleine Aufgaben, 80–150 £ für mittlere Pakete. Dein erstes Ziel sind Erfahrung, Bewertungen und Momentum – nicht Perfektion.
Tag 10–11: Erstelle ein Profil und eine zentrale „Anlaufstelle“. Du brauchst nicht zehn Accounts. Wähle einen Ort, an dem Kunden dich sehen: LinkedIn, Upwork, Fiverr oder ein einfaches Google Doc als Portfolio-Seite. Halte es übersichtlich: deine Dienstleistung, Beispiele, Kontakt, Verfügbarkeit.
Tag 12 – Kurze Kaltakquise-Nachricht (respektvoll und ohne Druck):
„Hallo [Name], mir ist bei deinem [Website/Produkt/Service] aufgefallen, dass ein kleiner Bereich für Kunden klarer sein könnte. Ich bin eine Anfängerin im Bereich [Copywriting/VA] und baue gerade mein Portfolio auf. Ich könnte dir diese Woche bei [konkrete Aufgabe] helfen. Wenn du möchtest, schicke ich dir ein kurzes Beispiel, wie ich es verbessern würde. Kein Druck – nur wenn es für dich passt.“
Tag 13 – Vorlage für Freelance-Portale (Proposal):
„Hallo [Client], ich kann bei [Aufgabe] helfen und liefere bis [Datum]. Du bekommst [Lieferumfang] plus eine Korrekturrunde. Hier ist ein passendes Beispiel: [Link]. Wenn du mir zwei Dinge kurz beantwortest, starte ich sofort: (1) dein Hauptziel, (2) Stil-/Ton-Vorlieben.“
Tag 14 – Follow-up-Vorlage (ohne Betteln, ohne Schuldgefühl):
„Hallo [Name], ich wollte nur kurz nachhaken, falls meine Nachricht untergegangen ist. Ich kann diese Woche weiterhin bei [Aufgabe] helfen. Wenn es gerade nicht passt, ist das völlig okay – ich kann dir auch gern trotzdem einen kleinen Verbesserungsvorschlag schicken.“

Tag 15–17: Bewirb dich oder schreibe jeden Tag potenzielle Kunden an. Ziel: 5–10 Bewerbungen oder Nachrichten täglich – klein, aber konstant. Viele bekommen nicht sofort Antworten, das ist normal. Entscheidend sind Volumen und Verbesserung. Tracke alles in einer einfachen Tabelle: Datum, Kunde, Angebot, Ergebnis, Follow-up-Datum.
Tag 18–21: Verbessere deinen Ansatz anhand der Ergebnisse. Wenn niemand antwortet, ist deine Nachricht oft zu lang oder zu unklar. Kürze sie, nenne ein konkretes Beispiel und fokussiere dich auf ein Ergebnis. Prüfe auch dein Angebot: „Ich überarbeite deine Service-Seite in 48 Stunden“ ist stärker als „Ich kann mit Content helfen.“
Tag 22–26: Wenn du ein „Ja“ bekommst, liefere schnell und kommuniziere sauber. Bestätige immer: was du lieferst, bis wann, und wie Korrekturen laufen. Nutze einen klaren Ablauf: erster Entwurf → Feedback → finale Version. Danach: Bitte um ein kurzes Testimonial und die Erlaubnis, die Arbeit im Portfolio zu zeigen (wenn nötig ohne sensible Details).
Realistisches Ziel im ersten Monat: 1–3 kleine bezahlte Aufträge. Das ist nicht „zu klein gedacht“ – so wird Freelancing real. Ein abgeschlossener Auftrag bringt oft mehr als zehn Stunden Theorie. Wenn du in 30 Tagen 1–3 Jobs schaffst, bist du auf Kurs.
Typische Fehler im ersten Monat: (1) zu viele Services gleichzeitig anbieten, (2) Wochen mit „Vorbereitung“ verlieren statt Bewerbungen zu senden, (3) generische Proposals kopieren, (4) so stark unterpreisen, dass du die Arbeit später hasst, (5) zu große Projekte zu früh annehmen. Die Lösung: eine Dienstleistung wählen, täglich kleine Outreach-Schritte machen und die ersten Jobs bewusst klein und klar halten.
Dein nächster Schritt nach Tag 30: Behalte, was funktioniert, und wiederhole es. Konzentriere dich auf die Dienstleistung, die Interesse erzeugt hat. Erweitere dein Portfolio mit jedem Job. Erhöhe deinen Preis leicht nach jeweils 2–3 erfolgreich abgeschlossenen Projekten. Freelancing lebt nicht von einem perfekten Start, sondern von wiederholbaren Handlungen, die Vertrauen und Fähigkeiten aufbauen.